"Heute trage ich unsere Fahne auch wieder mit Stolz durch Berlin."
Wie reagiert man, wenn die Beziehung zu zerbrechen droht? Jörn Kutschmann erzählt von seinem "fast" Eheaus mit Hertha BSC, seiner Rückkehr, seine Verbindung zu den "Ama Zwee" und seinem Zusammenschluss von Hobby, Leidenschaft und Arbeit bei und für Blau-Weiß.

Jörn, dein ganzes Leben, abseits der Familie, dreht sich um Hertha BSC. Zum Einstieg: woher kommt die Liebe zu den Blau-Weißen?
Ja, das kann man so sagen. Im Grunde steht die Hertha in meiner Tabelle auf Platz 2 hinter meiner Familie, allerdings punktgleich. Der Grund dafür liegt wohl bei meiner Mama. Sie hat mich 1998 zum ersten Mal mit ins Stadion genommen. Sie hatte sich Sorgen gemacht, warum ich mich so wenig für Fußball interessiere, und hat mich deswegen am 9. Mai 1998 zu meinem ersten Hertha Spiel mitgenommen. Wir haben 1:3 gegen Duisburg verloren. Aber ich hatte mich trotzdem Hals über Kopf in die alte Dame verliebt.
In den letzten Jahren war es für Sympathisanten der Hertha nicht immer einfach. Fast hättest du dich entfernt. Wieso und was hat am Ende das Ruder rumgerissen?
Der erste Teil dieser Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil so viele Faktoren quasi zeitgleich auftraten: Der VAR wurde eingeführt und hat mir das genommen, was mir am meisten Spaß gemacht hat: Einen emotionalen Torjubel. Im Grunde muss man ja jetzt minutenlang warten, um zu wissen, ob ein Treffer wirklich zählt. Und das fand und finde ich furchtbar.
Ein Investor stieg bei Hertha BSC ein und hat den Verein fast komplett von seinen Wurzeln getrennt. Diese ganze Big-City-Club-Nummer war kaum zu ertragen. Da gibst du so hohe Summen für Spieler aus, die nicht mal einen Bruchteil der Ablösesumme wert waren, und verlierst zu Hause 0:5 gegen Köln kurz nachdem Jürgen Klinsmann seinen Trainerjob per Facebook gekündigt hat. Das war alles so peinlich und man hat im Stadtbild richtig gemerkt, dass viele Herthaner ihre Vereinsliebe nicht mehr offen zeigen.
Dazu kam der Corona-Lockdown und zeitgleich kam mein Sohn auf die Welt. Meine Frau und ich waren also mit einem Neugeborenen völlig isoliert und mit vielen Dingen ganz schön überfordert. Da war an Fußball eine ganze Weile nicht denken.
Der zweite Teil der Frage lässt sich mit einem Namen beantworten: Kay Bernstein.
Er hat das, was noch an Wurzeln des Vereins da war, gerettet, gepflegt und wieder dafür gesorgt, dass Hertha BSC Hertha BSC ist.
Er hat den Verein, mit Demut auf den „Berliner Weg“ geführt und dafür gesorgt, dass die Hertha-Fahne wieder im Berliner Stadtbild präsent ist. Leute haben sie wieder auf dem Balkon, tragen Trikots, Shirts und Mützen und zeigen offen, dass sie Herthaner sind.
Ich hab trotzdem eine Weile gebraucht, um wieder zu Hertha zurückzufinden. Eine so schlimme Beziehungskrise wie ab 2020 hatte ich noch nie mit der alten Dame. Das hat dann gedauert, bis die Narben verheilt waren. Aber heute trage ich unsere Fahne auch wieder mit Stolz durch Berlin.
Seit geraumer Zeit begleitest du die Hertha Amateure II auf Schritt und Tritt. Warum ausgerechnet diese Mannschaft?
Als die Corona-Maßnahmen gelockert wurden, habe ich gemerkt, dass ich dringend wieder Fußball brauche. Ich bin durch den Berliner Fußball getingelt und habe versucht, einen Verein für mich zu finden. Aber bei keinem Club hat es gefunkt. Im Nachhinein auch ganz logisch: ich hing einfach immer noch an meiner Ex.
Da kam mir der Zufall zu Hilfe: Ein Bekannter von mir, den ich aus der Kurve kannte, wurde mein Finanzberater und erzählte mir, nach einem Finanz-Termin, dass er mit ein paar anderen Herthanern aktuell zu den Ama Zwee geht.
Sie hatten sich die Ama Zwee ausgesucht, weil sie die investorengestützte KGaA des Vereins nicht unterstützen wollten.
Da die Ama Zwee die erste Mannschaft des Hertha BSC e.V. sind, schien es ihnen logisch, nun dorthin zu gehen.
Für mich war das ein absoluter Glücksfall. Denn so konnte ich weiterhin zu Hertha BSC gehen, hatte aber weder einen Investor noch einen VAR, der nerven konnte.
Dann kam der Rest irgendwie von alleine: Ich schrieb die Berichte der Spiele, machte die Fotos und erstellte Videozusammenfassungen der Spiele.
Jetzt gab es vor kurzem vor die News, dass du inzwischen einen Vertrag bei Hertha unterschrieben hast. Hobby, Leidenschaft, Liebe und Job – besser geht es doch gar nicht. Wie kam es dazu und was machst du eigentlich konkret bei Hertha?
Absolut. Ich lebe gerade meinen Traum und darf mich „Mitarbeiter von Hertha BSC“ nennen.
Alles fing mit den Ama Zwee und deren Kapitän „Ferro“ an. Als er seine aktive Karriere bei den Ama Zwee an den Nagel hing, fasste er den Plan, sich ins Präsidium von Hertha BSC wählen zu lassen. Natürlich unterstütze ich ihn in seinem Wahlkampf und er schaffte es, gewählt zu werden. Er krempelte umgehend einiges im Verein um und schuf das Projekt „Stärkung des e.V.“ Im Grunde geht es darum, den Hertha BSC e.V. für Spieler und Sponsoren attraktiv zu machen. Dazu gehört ein anständiger Auftritt in den sozialen Netzwerken.
Es wurde beschlossen, dem e.V. einen eigenen Instagram-Kanal zu geben. Und Ferro bot mir an, diesen Kanal zu betreuen. Dann mussten noch einige Details geklärt werden, aber am Ende bekam ich meinen Vertrag. Es ist „nur“ ein Minijob, aber ich bin mega happy damit und freue mich, den Kanal des Hertha BSC e.V. leiten zu dürfen.
Und es wird für mich sogar noch besser, denn bald könnte ich mein Debüt als Spieler für Hertha BSC in einem Pflichtspiel geben. Ich durfte zwar schon einmal in einem Testspiel für die Ama Zwee auf dem Platz stehen. Aber jetzt stehe ich im erweiterten Kader der Ü40 7er Herren der Hertha und könnte tatsächlich bald mit der Fahne auf der Brust auf dem Platz stehen.
Wahnsinn. Und ganz nebenbei deine Leidenschaft zum Scheiben und Fotos schießen, die du schon länger besitzt. Immer wieder überzeugst du nicht nur mit intellektuellen, sondern auch witzigen Artikel. Woher kommt der Humor?
Vielen Dank, für das Kompliment, das in dieser Frage steckt. Ich kann das gar nicht richtig beantworten. Ich setze mich nach einem Spiel einfach hin und schreibe das auf, was mir in den Kopf kommt. Meistens denke ich gar nicht großartig darüber nach, sondern lasse den Gedanken freien Lauf.
Gelegentlich nehme ich Dinge, die mir in der Woche vor einem Spiel passieren, als Notiz mit und arbeite das in den Spielbericht ein. Der Rest ist Freestyle. Im Grunde führe ich eigentlich nur ein Fußball-Tagebuch, weswegen meine Seite ja auch „Des Kutten-Königs kleines Fußball Tagebuch“ heißt. Vielleicht kommen die Texte phasenweise so gut an, weil ich sie so schreibe, als würde ich sie wirklich nur für mein Tagebuch schreiben. Ich darf die Texte aber nach dem Veröffentlichen aber nicht nochmal lesen, weil ich sonst immer irgendwas finde, was mich stört, weil man es hätte besser schreiben können.
Danke und weiterhin viel Erfolg.
"Wir sind alle ein ganz kleiner Teil von etwas Großem"
Kevin Päplow, im Brandenburger Amateurfußball und dessen Umfeld besser als "Pepsa" bekannt, bietet mir einen kleinen Einblick in seine Sicht der Dinge auf den Fußball in der Winterpause, sowie sein soziales Engagement geparrt mit unserem Sport, sozialen Einrichtungen und Kindern.

Kevin, dass Fußballjahr hat verschneit begonnen. Dir egal, weil du auch gerne in der Halle zuschaust, oder brennst du dann doch schon wieder auf „richtige“ Spiele an frischer Luft?
Hallenturniere sind schon etwas Feines, vor allem wenn das Niveau auf einem ordentlichen Level ist. Aber ich freue mich schon unheimlich auf die Spiele im Amateur- und Profibereich. Das fehlt schon ungemein über die Feiertage, Weihnachten und den Jahreswechsel. Hallenturniere versüßen einem zwar die Zeit, aber sobald Freundschaftsspiele oder so wie am Samstag das Spiel von Hertha BSC gegen den FC Schalke 04 angesetzt sind, geht es sofort wieder auf die Plätze, beziehungsweise Stadien.
Hast du für dieses Jahr irgendwelche besonderen Pläne oder Wünsche bezüglich deiner Vereine, Mannschaften oder dem Groundhopping?
Ich würde gerne, bevor es dann wirklich bald mal abgerissen wird, das Giuseppe Meazza Stadion in Mailand kreuzen wollen. Ansonsten würde ich mich natürlich sehr freuen, wenn meine Hertha am Ende der Saison aufsteigen würde. Und für meine beiden Amateurvereine, da wünsche ich SG Grün-Weiß Deutsch Wusterhausen natürlich den Klassenerhalt in der Kreisoberliga Dahme/Fläming und dem Storkower SC in der Kreisoberliga Ostbrandenburg, das wir mit dem doch sehr engen Kader, am Ende der Saison aufsteigen können in die Landesklasse. Das wird aufgrund der Konkurrenz, die viel breiter besetzt ist, nicht so einfach.
Im Dezember, nicht zum ersten Mal, stand der Fußball bei dir nicht ausschließlich im Vordergrund. Du hast deine Zeit mal wieder für den guten Zweck verwendet. In einem zweitägigen Marathon hast du etliche „Goodies“ unter den Nagel gebracht und damit nicht nur einige Käufer, sondern vor allem zwei Einrichtungen glücklich gemacht.
Woher kommt dein Drang für dieses Engagement, wie fällt deine Resonanz zu den involvierten / abgefragten Vereinen aus und was gibt dir der ganze Aufwand persönlich?
Ich bin von Hause her ein sehr sozial eingestellter Mensch, arbeite auch beruflich in diesem Bereich. Ich habe zudem eine tolle Erziehung genossen. Natürlich hat man nicht alles bekommen. Wenn man noch zwei Geschwister hat, man muss lernen zu teilen, aber man war immer zufrieden mit dem, was man hatte. Es gab und gibt immer Menschen in der Gesellschaft, denen es schlechter geht, das sehe ich in meinem Beruf und das sieht man auch so auf der Straße, wenn man die Augen aufmacht. Dass wir 2025 den Spendenmarathon bereits zum dritten Mal auf die Beine gestellt haben bereitet mir Freude, aber es würde vermessen sein, wenn ich mich als der große Retter der Welt hinstellen würde, der das alles alleine gemacht hat. Ohne meine vielen Mitstreiter, die ihre ganze private Zeit in Anspruch genommen haben dort mitzuhelfen, würde es nicht funktionieren. Ob es ein Philip Sprint ist, der bei Tjark Ernst angefragt hatte oder ein Steven Pälchen, der jedes Jahr beim 1. FC Union Berlin Klinken putzen geht. Besonders hervorheben möchte ich einen Thomas vom Hagen, Athletiktrainer vom FSV 63 Luckenwalde, der in der Regionalliga aufgrund seiner Tätigkeit pro Jahr mehrere Trikots für diese Aktion organisieren konnte oder Mareike Heilemann, ehemalige Teammanagerin von TuS Sachsenhausen, die mir ebenfalls einige Trikots übergeben hatte. Ich könnte an dieser Stelle noch mehrere aufzählen, möchte auch niemanden vergessen, ich hoffe da ist mir niemand böse.
Wir sind alle ein ganz kleiner Teil von etwas Großem. Und das funktioniert nur, weil wir alle wissen, was der Fußball bewegen und möglich machen kann, das ist einfach schön.
Ganz stark finde ich auch dein Einsatz für und mit den Storkower Stadionhüpfern. Wie ist diese Aktion entstanden?
Die Storkower Stadionhüpfer sind aus einer ehemaligen Beziehung entstanden. Wir haben dann immer mehr Kinder dafür begeistert, weil die Jungs hatten auch Freunde, die ebenfalls mitkommen wollten. Und dann hat es sich entwickelt, dass man den Storkower SC als Kooperationspartner oder Träger gewinnen konnte.
Und was ist deine Intention dahinter? Was kann der Fußball den Kindern an dieser Stelle bieten?
Ich bin seit 2015 trocken, trinke kein Alkohol mehr und jeder der mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht, was an den Schulen abgeht, auf der Straße. Ich möchte den Kindern, die das Herz für den Fußball haben, die Möglichkeit geben sich von dem Sumpf fernzuhalten oder diesem zu entfliehen. Statt sich auf einem Samstag mit falschen "Freunden", Menschen oder Umfeld zu treffen, was einen schlussendlich auf die falsche Bahn bringen kann, kann der Fußball so viel bieten als Vielfalt, an Erlebnis, an Reichtum.
Die Eltern stehen dort hinter. Axel Großmann möchte ich hier besonders hervorheben. Bei den vielen Fahrten die wir in einem Saisonverlauf zwischen Juli und Mai absolvieren, ist er von neun von zehn dabei, fährt mit seinem privaten Bus. Generell stehen viele Leute dahinter, ohne diese würde es auch nicht gehen.
Die Resonanz ist groß, wir haben mal mit drei Kindern angefangen, sind dann auf zehn hoch und sind jetzt bei 15 die wir pro Tour mitnehmen. Die Fußballvereine sind gönnerhaft, vor allem Hertha BSC, die uns pro Saison zweimal einladen. Aber man sollte auch, wenn man den kleinen Finger gereicht bekommt, nicht die ganze Hand nehmen. Wir fahren dort nur einmal hin, weil ich finde, jede soziale Einrichtung und jedes Projekt hat die Chance verdient ein Heimspiel von Hertha BSC zu sehen. Ich will da am Ende niemanden dem Platz wegnehmen.
Durch 'ne gute Vitamin B, die man sich durch den Fußball aufgebaut hat, ist es meist ein leichtes an gute Spieler heranzukommen. Ich möchte da nochmal Sebastian König hervorheben, der jetzt beim Dynamo Dresden Trainer ist, der auch früher bei Energie Cottbus mehrere Positionen innehatte. Er hat uns gerade bei den Ostvereinen viel geholfen. Und so kommt man viel herum, kann den Jungs die Fußballwelt zeigen und schöne Stunden ermöglichen, anstatt sich herumzutreiben, auf eine falsche Bahn zu gelangen und den Eltern, sowie dem Umfeld viel Kummer zu bereiten. Deswegen ist es mir eine Freude mit den Jungs immer wieder ins Stadion zu fahren.
Vision-Board und Vorsätze
Weihnachten, Silvester und Neujahr liegen bereits in der Vergangenheit und 2026 ist schon knapp 48 Stunden alt. Zeit, um einen Blick auf das Jahr zu werfen, welches seine Schatten in verschiedenen Bereichen voraus wirft.

Happy New Year und herzlich Willkommen in 2026. Der Jahreswechsel liegt hinter uns und ein neues Jahr hat begonnen. Und bei mir persönlich mal wieder mit einigen Vorsätzen. Zementiert wurden diese in einem Vision-Board. Bereits im vergangenen Jahr habe ich damit gute Erfahrungen machen können, viele Ziele wurden erreicht beziehungsweise umgesetzt. So wurden die letzten Stunden von 2025 klassisch mit Raclette und, anstatt einer Party beizuwohnen, mit basteln verbracht.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen, etwas mehr als 360 Tage bleiben, um auch diesmal wieder Vieles zu erreichen. Ein großer Punkt meinerseits in diesem Jahr ist das Thema Gesundheit. Dazu zählt natürlich, dass ich wieder mehr Sport treiben möchte, aber auch in Sache Ernährung möchte ich noch etwas nachlegen. Ich esse zwar bereits seit etwas mehr als zwei Jahren kein Fleisch mehr, gesunde Ernährung sieht aber definitiv anders aus. Ich spreche zwar nicht von einem Verzicht, weil das klappt eigentlich nie beziehungsweise selten, aber mit kleinen Änderungen in der Routine soll das gesündere Kochen / Essen im Fokus stehen. Weg von Fast Food, Chips, Schokolade und Gummibärchen, hinzu mehr Gemüse und Obst, ohne dabei zu verkrampfen. Klingt in der Theorie immer einfach, in der Praxis werden in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten aber mehrere Hindernisse und Versuchungen stehen. Sollte es mir gelingen am Ball zu bleiben, steht der Beach-Body-Figur 2026 nichts mehr im Weg. Ich bin positiv und optimistisch gestimmt.
Doch was interessiert es euch? Bisher (also jetzt schon einige Monate nicht mehr) habe ich ein mit Berichten und Interviews rund um den (Amateur-) Fußball versorgt. Doch bereits mit der Einführung meiner Webseite wollte ich meinen Fokus verschieben. Auch in diesem Punkt möchte ich mein Mindset erweitern und trotzdem meinem Motto treu bleiben. Nicht nur Fußballer sollen eine Plattform erhalten, auch Menschen, die etwas Gutes tun, die helfen, die unterstützen, die etwas zu bieten haben, sollen hier verewigt werden. Raus aus dem Schatten, hinzu einem Moment im Scheinwerferlicht.
Zudem werde ich meine Instagram-Seite für einen kleinen Blog, rund um das Leben nutzen. Also ihr könnt mich begleiten beim (hoffentlich) gesünder Leben, bei Interviews und Berichten, bei sozialen Engagement, bei Freizeit-Aktivitäten. Immer mit Herz, Spaß und Freude. Ich habe richtig Bock!